Mut zur Wahrnehmung: Entfaltungskreis vom 26.09.

Die meisten von euch haben bereits die Erfahrung gemacht, dass man in Begegnungen manchmal das Gefühl hat, unserem Gegenüber würde es nicht gut gehen. Oftmals sprechen wir dies aber gar nicht an und in den Fallen, in denen wir uns trauen nachzuhaken, will das Gegenüber nicht über das Nicht-Gut-Gehen sprechen.

Warum ist das so?

 

Wenn wir für einmal uns selbst betrachten, stellen wir fest, dass wir es an uns selbst nicht mögen, wenn wir nicht auf der Höhe sind. Hinter dem Nicht-Gut-Gehen liegt eigentlich immer eine Form von Schmerz.

Kaum jemand mag Schmerzen, egal ob physischer oder emotionaler Natur. Wir sind erzogen worden, Schmerzen gar nicht erst entstehen zu lassen. Umso schwieriger ist der gesunde Umgang mit Schmerzen, die dennoch da sind.

 

Am Entfaltungskreis vom 26. September haben wir uns auf ein Experiment mit unserer Wahrnehmung eingelassen. Das Experiment hat viel Mut gekostet und ich danke allen Anwesenden von Herzen, dass sie diesen aufgebracht haben.

 

Im ersten Teil des Experiments sind wir unseren eigenen Schmerzen begegnet. Dies alleine ist schon eine Herausforderung. In der Gruppe hat sich jede auf ihren Schmerz eingelassen und sich so auch dem Risiko ausgesetzt, dass der Schmerz sie übermannen könnte. Es war so heilsam zu merken, dass man jedoch in der Gruppe so stark getragen wird, dass kein noch so tief sitzender Schmerz dich einfach überrollen kann, wie es manchmal alleine zu Hause der Fall ist.

 

Wir sind also unserem eigenen Schmerz begegnet und haben diesen danach sichtbar gemacht. Wir haben ihn gestaltet mit ganz unterschiedlichen Hilfsmitteln und Materialien. So sind mehrere "Schmerzbilder" entstanden. Die anderen Teilnehmenden haben sich dann zu allen Bildern geäussert. Sie haben sich auf den Schmerz eines anderen eingelassen und versucht, diesen in Worten auszudrücken. Auch das braucht Mut, denn der tiefe Schmerz eines anderen ist uns genauso wenig sympathisch wie unser eigener Schmerz. Und wir wollen den Schmerz des anderen ja unter keinen Umständen verstärken, indem wir darauf hinweisen.

 

Ihr könnt euch ja sicher auch vorstellen, wie viel Mut es braucht, den eigenen Schmerz für andere sichtbar zu machen und sich sogar zuzumuten, dass andere in diesem Schmerz herum stochern. Wir empfinden Schmerzen als etwas Negatives, Behinderndes und nur allzu oft schämen wir uns sogar dafür. Und wir gehen bewusst oder unbewusst davon aus, dass der Schmerz grösser wird, wenn man ihm Raum gibt. 

 

Unser Experiment hat uns aber gezeigt, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Wenn wir unserem Schmerz Raum geben, wenn wir ihm Aufmerksamkeit schenken und ihn sichtbar machen, dann hat er plötzlich nichts Bedrohliches mehr. Er hat keinen Grund, sich weiter aufzublähen oder uns hinterrücks den Boden unter den Füssen weg zu ziehen.

 

Das Fazit ist also, wenn du Schmerzen hast, mach sie sichtbar. Befass dich mit ihnen, sprich darüber mit der gleichen Leidenschaft, wie du über dein aktuelles Lieblingsprojekt sprichst. Und sei dir gewiss, du wirst verstanden werden.


Die folgende Audio-Übung ist eine Möglichkeit, deinem Schmerz Raum zu geben. Sie möchte dir einen liebevollen Zugang zu deinem Schmerz zeigen, in der Hoffnung, dass so das Akzeptieren und schliesslich das Heilen leichter fällt.

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Kommentare: 2
  • #1

    Belle Wertz (Sonntag, 05 Februar 2017 17:07)


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  • #2

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