Würdevolles Altern

wuerdevolles altern
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Im Spital Thun hängen zurzeit grosse Plakate, welche auf ein Seminar hinweisen:

„Jeder will alt werden, niemand will alt sein!“

 

Ich finde das sehr treffend formuliert. Wir wollen alt werden. Anders formuliert heisst das, wir wollen den physischen Tod möglichst lange hinaus zögern. Dabei scheinen wir zu vergessen, was dies für Konsequenzen für unser Leben hat. Schliesslich erleben wir ja nicht unser 20. Altersjahr bis in alle Ewigkeit. Denn der Körper stirbt. Und ich frage mich, wann wohl der Punkt erreicht ist, an welchem der Körper eigentlich gestorben ist, der Rest unseres Wesens sich aber weigert, dies zu akzeptieren.

 

Wir werden von klein auf dazu erzogen, den Alterungsprozess bestmöglich zu verzögern. Das von der Gesellschaft vermittelte Bild des alternden Menschen hat nichts Würdevolles. Und nun sehe ich einen Menschen, oder viel besser einen Körper, der seinen Betrieb nur aufgrund von Schmerzmitteln noch nicht eingestellt hat. Ein Körper auf Sparflamme. Weder der Körper noch das Wesen darin haben noch die Energie, sich selbst am Leben zu erhalten. Alltägliches wie Essen oder der Toilettengang werden zum unüberwindbaren Hindernis.

 

Bei Kleinkindern ist es nicht anders. Ihr Leben liegt vollumfänglich in den Händen anderer Menschen. Dass sich Angehörige um Kleinkinder kümmern ist in unserer Gesellschaft selbstverständlich. Nicht so die Betreuung des alternden Körpers. Wir haben dafür Institutionen eingerichtet und reden uns ein, dort würden unsere Liebsten kompetenter betreut als wir dies könnten.

 

Ist das die Wahrheit?

Oder haben wir in unseren durchorganisierten Leben einfach keine Zeit für die Betreuung eines Menschen?

Liegt es vielleicht auch daran, dass uns der körperliche Verfall eines Menschen viel unangenehmer ist, als das Wachstum und die blühende Lebenskraft eines Neugeborenen?

Wenn Eltern weniger arbeiten, um ihre Kinder zu betreuen, bringt ihnen die Gesellschaft ein Minimum an Akzeptanz entgegen. Auch wenn natürlich die idealen Eltern beides könnten.

Aber was sehen wir in Kindern, die weniger Arbeiten, um ihre Eltern zu betreuen?

 

Und ich frage mich:

Wer oder was in uns will alt werden?

Glauben wir tatsächlich, ein hohes Alter wäre ein Segen?

Und wie können wir wieder lernen zu erkennen, wann der Segen endet?

 

 

Die nachdenkliche Daniji

 

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