Agni - Feuer&Transformation

 

Agni ist die Feuerkraft des Göttlichen und somit die transformative Kraft der Schöpfung. Materie wird durch Feuer zersetzt, in andere Materie oder ein anderes Element verwandelt. Es steht für Wandel, Fortschritt und Neubeginn.

Im Hinduismus kennt man den Gott des Feuers, Sohn von Himmel und Erde, der sich in Form von Flammen, Blitzen oder der Sonne manifestiert.

 

Im Körper kennen wir das Verdauungsfeuer, welches Nahrung transformiert und in Körpersubstanz verwandelt. Die Atmung ist ebenfalls ein transformativer Prozess, welcher den Sauerstoff wandelt und dem Körper zur Verfügung stellt. Im Körper wird dieser weiter verbrannt und das Abfallprodukt ausgeschieden.

 

Die Intelligenz wird ebenfalls der Kraft des Feuers zugeschrieben. Sinneseindrücke werden in Informationen und entsprechende Befehle bzw. Handlungen überführt.

 

Es ist auch die Kraft des Feuers, welche Emotionen verarbeitet, damit sie unserem System als Erfahrungswerte zur Verfügung stehen.

 

In all diesen Prozessen ist Agni anwesend. Agni, das Feuer, ist aber auch eine Kraft, welche die Schöpfung ganz direkt einsetzen kann, um unser Leben zu transformieren. Wir kennen das Feuer der Sehnsucht, die Flammen der Leidenschaft oder die brennende Wut. Alle diese Emotionen sind ebenfalls Instrumente der Natur bzw. der Schöpfung.

 

Starkes Feuer zeigt sich in klaren Emotionen, schnellen Bewegungen des Geistes und aktiver Transformation des Körpers z.B. in Verdauung und Atmung.

 

Zu viel Feuer verbrennt das menschliche Wesen. Emotionen sind ausser Kontrolle und verursachen Explosionen und Schmerzen. Sinneseindrücke verdampfen, bevor sie verwertet und daraus Erfahrungen gewonnen werden können. Der Geist ist unruhig, Konzentration schwierig und Erholung wie z.B. Schlafen unmöglich. Auch die Nahrung wird zersetzt bevor der Körper sie nutzen und transformieren kann. Das Ergebnis sind Magenbrennen und Durchfall. Das Feuer greift aber auch die bestehende Materie des Körpers an. Körpersubstanz wird abgebaut und die Nervenenden versängt. Körper und Geist trocknen wortwörtlich aus.

 

Zu wenig Feuer hingegen verunmöglicht angemessene Transformationen. Emotionen brennen schwach, wir werden gleichgültig und träge. Sinneseindrücke sowie Gefühle werden kaum verarbeitet und belasten uns bewusst oder unbewusst. Nahrung wird schlecht verdaut und setzt sich im Körper fest. Die Muskulatur wird ungenügend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Der Körper wird schwach.

 

Wie erhalten wir die Balance?

Die Natur beeinflusst und reguliert unser Feuer durch unzählige Faktoren. Sonne und Nahrung sind die Offensichtlichsten. Es hat einen Grund, warum scharfes Essen oder heisser Kaffe im Sommer Schweisausbrüche verursachen. Es ist zuviel Feuer. Es hat auch einen Grund, dass wir in der dunklen, kalten Jahreszeit eine warme Suppe bevorzugen, uns die Energie fehlt um viel zu unternehmen und wir viel Zeit für uns und die Transformation unserer Emotionen brauchen. Das Feuer ist mangels Sonnenlicht schwächer.

 

Wir sollten das Ausbalancieren einfach der Natur überlassen. Wir sollten in unseren Termin- und Ernährungsplänen mehr Raum für die Natur lassen. Und wir sollten unser Idealbild vom ausgeglichenen Menschen in den Müll befördern. Wir versuchen aus verschiedenen Gründen unsere Emotionen zu kontrollieren und unerwünsche Emotionen zu unterdrücken. So ist der reservierte Nordeuropäer im Allgemeinen emotionsscheu und gerade in einem Umfeld von spirituellen Suchern sind starke Emotionen verpönt. Diese Neigungen entsprichen oft nicht dem Plan der Natur.

 

Wir haben gesehen, was zuviel Feuer anrichten kann. Was glaubt ihr, kann also unterdrückte Wut anrichten? Dies soll keine Aufforderung sein, seine Wut an den Mitmenschen auszulassen. Aber wäre es nicht ein Anfang, zu akzeptieren und anzuerkennen, dass brennende Emotionen einfach auch da sind und dazu gehören? Sie sind da, um etwas zu transformieren und wenn wir ihnen ein bisschen Raum geben, können sie ihre Arbeit tun.

 

Daniji unter der brennenden Sonne Indiens

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Daniji (Samstag, 26 Oktober 2013 05:55)

    Ein spannender Artikel zum Thema:
    Physiologischer Feueralarm aus ayurvedischer Sicht
    http://www.ayurveda-akademie.org/fileadmin/user_upload/PDFs/Artikel/Hitze_Ayurveda_Kriese_YA.pdf