What if God was one of us?

 

Alle Religionen und Philosophien erklären uns: „Du bist das Ebenbild Gottes.“ Wir sind aus derselben Substanz wie das Höchste, sind von göttlicher Natur.

 

Gleichzeitig erklären sie uns alle, was wir tun müssen, um das Göttliche in uns zu befreien, zu leben, zu entfalten und schliesslich im Göttlichen – unserem Ursprung – aufzugehen. Wir kommen aus der göttlichen Quelle, sind zu jederzeit mit dieser Quelle verbunden, müssen aber ganz viel leisten, um den Weg nach Hause zu eben dieser Quelle zu finden.

 

Wir kennen die 10 Gebote des Christentums, die ins Paradies führen.

 

Das buddhistische Nirwana erreichen wir durch das Auslöschen der Gedanken.

 

Der Yogi erreicht seine Befreiung – die Erleuchtung – durch komplexe Techniken eines 8-fachen Pfades, welcher Anweisungen für alle Lebensbereiche gibt.

 

Die Hindus erarbeiten sich den Segen Gottes und die Befreiung von Karma durch Opfergaben und Gebete.

 

Aber wenn wir ja Gottes Ebenbild sind, unsere wahre Natur das Göttliche ist, wo kommt dann dieser andere Gott her, der eben noch ein bisschen besser und göttlicher ist als wir? Dieser Super-Gott, für den wir so schwer arbeiten müssen, um ihm ebenbürtig zu sein?

 

Gehen wir mal für einen kurzen Moment davon aus, dass wir wirklich göttlich sind. Warum wollen wir uns verändern, um dem Göttlichen näher zu sein? Sind wir denn nicht genau richtig, von Gott so gewollt und erschaffen wie wir sind? Etwas Höheres hat diese Erde erschaffen, nenne man es Gott, Manitu oder die Natur. Er hat sehr überzeugende Mittel, wenn er uns verändern will. Vielleicht braucht es also gar kein Buch, keine menschliche Weisheit, um den Weg nach Hause zu finden. Das Göttliche ist in jeder unserer Zellen, in jedem unserer Gedanken und jedem Gefühl. Es könnte diese jederzeit ändern, wenn es wollte. Es gibt also einen Grund, warum wir genau so sind wie wir sind. Jeder Charakterzug, den wir als schlecht bewerten, jeder unreine Gedanke, alle Gefühle, welchen nicht Harmoniebedürftigkeit zugrunde liegt, all das ist ebenfalls göttlich. Die Schöpfung irrt sich nicht und sie wird uns verändern, wenn die Zeit gekommen ist. Wir müssen gar nichts tun.

 

Aber wenn das wirklich wahr wäre, was wäre dann noch der Sinn von Meditationen, Gebeten, Yoga oder sonstigen Selbstfindungstechniken? Könnte es denn sein, dass die Schöpfung uns eine Meditation schenkt, weil es ihrem Plan entspricht und nicht weil wir uns entschieden haben, ein besserer, spirituellerer Mensch zu werden? Könnte es sein, dass wenn wir zu müde sind zum Meditieren, dass dies der Plan der Schöpfung ist? Oder dass es dem Plan der Schöpfung entspricht, wenn wir mit Freunden ein Bier trinken anstatt in die Kirche zu gehen?

 

Wenn das wahr wäre, dann bräuchte uns Gott ja gar nicht, um seine Schöpfung zu manifestieren und zu entfalten. Wir, die Menschen und unsere Meinungen wären nicht wichtig. Wir wären bereits göttlich, perfekt, am Ende unserer Suche angekommen. Beängstigend und befreiend, nicht?

 

Daniji

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Daniji (Mittwoch, 06 November 2013 09:34)

    Ich wurde von einer Freundin darauf aufmerksam gemacht, dass dieser Beitrag zwar logisch sein mag, dem Menschen aber die Hoffnung nimmt, sich selbst und die Welt verbessern zu können und der Mensch die Hoffnung zum Leben brauche.

    Mir persönlich hat die Erkenntnis nicht die Hoffnung genommen, sondern den ewig während Stress, nicht einmal in den Augen des Göttlichen gut genug zu sein. Es hat mir die Freiheit gegeben, mich zu akzeptieren wie ich bin mit allen Charaktereigenschaften, egal wie die Gesellschaft diese gerade bewertet. Den jede dieser Eigenschaften ist ein Geschenk, genau so gewollt, kein Irrtum oder Fehler, den es zu verbessern gilt.

    Wie seht ihr das?