Der Guru

 

In allen Menschen wohnt eine Kraft, die uns vorwärts treibt. Wir sind ständig auf der Suche nach etwas, dass unser Leben besser macht. Wir spüren bewusst oder unbewusst, dass wir noch nicht am Ziel angekommen sind. Wir können vielleicht nicht definieren, was uns fehlt oder was uns diesem ominösen Ziel näher bringen würde aber dennoch sind wir auf der Suche.

 

Wir suchen dieses etwas, das uns "Ganz" macht, uns das Gefühl gibt, angekommen zu sein. Wir hoffen, dass uns materieller Besitz oder Erfolg dieses Gefühl des „Ganz-seins“ vermitteln kann. Wir verfolgen ein materielles Ziel, sei dies der Erwerb eines Gegenstands, eines Diploms oder Titels. Doch sobald wir das Gewünschte erworben haben, sind wir enttäuscht, weil wir uns immer noch nicht „Ganz“ fühlen. Einige glauben, dass spiritueller Erfolg das Gefühl des „Ganz-seins“ mit sich bringen würde. Also verfolgen wir ein spirituelles Ziel; die Befreiung, die Erleuchtung oder das Paradies. In diesem Geschäftsfeld sagt man uns zumindest von Anfang an, dass dieses Ziel in diesem Leben für fast niemanden zu erreichen sei. Also begnügen wir uns mit der Verfolgung des Zieles in diesem Leben, damit wir es im Nächsten erreichen und uns dann endlich „Ganz“ fühlen.

 

Welches Ziel auch immer wir verfolgen, wir suchen uns einen Lehrer, der uns diesem näher bringen soll.

 

Der Wissende

Einige Lehrer verfügen über theoretisches Wissen, das der Mensch sich aneignen will, um seinen Zielen näher zu kommen. Wir bewerten das Wissen aufgrund unserer individuellen Wertvorstellung als gut oder schlecht, hilfreich oder nutzlos. Von diesen Lehrern übernehmen wir rationales Wissen in der Hoffnung, dass wir es richtig reproduzieren oder anwenden können, wenn das Leben dieses Wissen verlangt.

 

Der Erfahrene

Irgendwann stellen wir fest, dass es keine allgemeingültige Anleitung für das Leben gibt und das theoretische Wissen uns unseren Zielen ganz selten näher bringt. Wir suchen also die Unterstützung eines Lehrers, der dieselbe Lebenssituation auch schon gemeistert hat und hoffen, dass uns seine Erfahrung weiterhilft.

 

Der Intuitive

Irgendwann stellen wir fest, dass das Erfolgsrezept des Einen nicht für alle anderen gültig sein muss. Wir müssen unsere eigenen Erfahrungen machen und fühlen uns dabei allein gelassen. Doch wir überstehen die Situationen immer. Egal, was das Leben uns bringt, jede Erfahrung scheint uns weiter zu bringen auf unserem, ganz individuellen Weg. Und hier treffen wir den inneren Guru.

 

Als wir auf diese Welt gekommen sind, wurde unser grösster Guru gleich mit geliefert. Unsere Seele, unser Licht, der göttliche Funke in uns weist uns immer den richtigen Weg. Er alleine kennt den Plan für unser Leben und er kennt auch unser Ziel, auch wenn wir es nicht in Worte fassen können. Leider haben wir nie gelernt, diesem Guru zuzuhören. Er kommuniziert auch etwas unaufdringlicher als andere Lehrer. Es ist ein sanftes Gefühl, ein unerklärliches Wissen oder manchmal eine leise Stimme in unserem Innern, die uns daran erinnern würde, dass wir den Regenschirm zuhause vergessen haben, die uns immer zeigen würde, welches die richtige Entscheidung ist. Doch wir nehmen uns nicht die Zeit, dem einzig wahren Guru zuzuhören und wenn wir ihn mal hören, sind wir nicht bereit, seinen Rat anzunehmen. Wir wissen es besser. Warum suchen wir uns dann eigentlich einen Lehrer?

 

Doch wie jeder gute Lehrer ist der innere Guru geduldig. Er zeigt sich uns durch die Natur, durch jede Pflanze, jedes Tier und jeden Menschen, der unseren Weg kreuzt, bis wir bereit sind, den Rat anzunehmen, der unser innerer Guru uns gibt. Wenn du bereit bist zu lernen, kann dir die ganze Schöpfung ein wertvoller Lehrer sein. Manchmal ist es aber einfacher, Kritik von einem anderen Menschen anzunehmen, den wir aufgrund seines Lehrerstatus respektieren, als der Kritik zu glauben, die uns jeder Vogel und jeder Grashalm entgegenbringt. Auch wenn sie sich inhaltlich nicht unterscheiden. Aber wenn wir ehrlich sind, will niemand von uns dazu lernen. Lernen würde bedeuten, dass wir bisher etwas nicht gewusst oder sogar falsch gemacht haben und uns verändern müssten.

 

So suchen wir uns einen menschlichen Lehrer, der es schafft unsere Aversion gegen das Lernen und sich Verändern zu überwinden. Und wenn ihm dies gelungen ist, werden wir überall den richtigen Guru finden und letztendlich auch den inneren Guru treffen

(P.S. der ist nicht mit dem mentalen Verstand verwandt und trägt auch keinen Turban).

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Daniji (Donnerstag, 03 Oktober 2013 09:19)


    Bedeutungen des Wortes Guru:

    Das Wort Guru hat verschiedene Bedeutungen und leitet sich unterschiedlich her:
    •guru heißt "schwer, gewichtig"
    •"gu" heißt auch "dunkel", "ru" heißt "beseitigen". Guru bedeutet also: der die Dunkelheit beseitigt

    Guru heißt im weiteren Sinne "Lehrer". Im heutigen Sprachgebrauch bezeichnet Guru einen Lehrer, einen Meister oder eine ehrwürdige Person. Guru kann in diesem Sinn der Fahrlehrer, der Gesangslehrer oder ein spiritueller Lehrer sein.

    Die indische Tradition kennt vier Stufen des Gurus.
    In der ersten Stufe sind die Eltern der Guru. Sie geben dem Mensch seinen Körper und spielen eine einführenden Rolle für das Leben mit seinen Höhen und Tiefen.
    Die zweite Gurustufe umfasst alle Lehrer, Universitätsdozenten, Handwerksmeister, also alle, die in der Ausbildung involviert sind.
    In der dritten Stufe kommt der spirituelle Meister zum Tragen. Als Auslöscher der Dunkelheit vernichtet der Guru die Unwissenheit seines Schülers. Ein Guru ist als Guru befähigt, wenn er selber in Verbindung zu Gott steht und das an seine Schüler weiter geben kann.
    Letztlich gibt es den kosmischen Guru, auch Avatar genannt (vierte Stufe). Ein Avatar ist eine vollkommene Inkarnation Gottes. Dort führt der spirituelle Meister hin.

    Weitere Infos: http://wiki.yoga-vidya.de/Guru

  • #2

    Bettina Baumgartner (Donnerstag, 03 Oktober 2013 13:49)

    Namasté nach Indien liebe Daniji

    Danke für deinen Blog!

    Auch wenn du nicht bei uns bist, so sind die Themen doch so schön grenzüberschreitend und zeitlos.

    Am letzten Meditation Abend im Wald war die Botschaft des Feuers ganz klar und witzig: „Ihr sucht einen Guru – nehmt mich“. Dabei machte das Feuer uns darauf aufmerksam, dass es nichts anderes darstellt als unser inne wohnender Feuer-Guru.

    Auch wenn wir das im Kopf wissen, seien wir jederzeit eingeladen durch das äussere Feuer unserem Guru zu begegnen. Das Feuer wird uns früher oder später nach Innen führen, sofern wir es als Lehrer und Führer annehmen und die Vorstellung loslassen, dass es ein alter Mann mit weissem Bart sein muss, der vor uns steht und Zauberkräfte hat 

    Bettina, Sonam